FRM II Foto: Maria Schmalfuß Wikipedia

FRM II: TU Mün­chen tanzt dem Umwelt­mi­nis­te­ri­um auf der Nase herum

Nach­dem Mit­te Mai bekannt gege­ben wur­de, dass am Gar­chin­ger For­schungs­re­ak­tor FRM II bereits seit Anfang April die Jah­res­emis­si­ons­wer­te für das radio­ak­ti­ve Gas C14 um über 15 % über­schrit­ten sind, haben Mar­kus Büch­ler und ich meh­re­re Anfra­gen an die Staats­re­gie­rung gestellt. Die Aus­wer­tung der Anfra­gen wirft kein gutes Licht auf das Ver­hält­nis zwi­schen den Reak­tor­be­trei­bern und der baye­ri­schen Atomaufsicht.

Da wir nun die Vor­gän­ge rund um die unge­hemm­te Emis­si­on des radio­ak­ti­ven C14 genau­er ken­nen, müs­sen wir lei­der sagen: Die TU Mün­chen tanzt dem baye­ri­schen Umwelt­mi­nis­te­ri­um gehö­rig auf der Nase herum.

Dr. Mar­kus Büch­ler, Mit­glied des Baye­ri­schen Landtags

Aus der Beant­wor­tung der Anfra­ge ergibt sich, dass der fata­le Feh­ler bei der Trock­nung der Har­ze am 30.3.2020, also erst zehn Tage nach Beginn der Trock­nung fest­ge­stellt wur­de. Die Art der Beant­wor­tung lässt dar­auf schlie­ßen, dass dies eher zufäl­lig ent­deckt wur­de und nicht im Rah­men einer ange­ord­ne­ten Kon­trol­le. Ver­blüf­fend ist aber der Umgang mit dem Ereig­nis. Noch am 1. April wird der Feh­ler beho­ben und schon am 2. April wird ein neu­er Trock­nungs­zy­klus gestar­tet. Erst nach­dem die­ser zwei­te Trock­nungs­zy­klus fast abge­schlos­sen ist, wird das Umwelt­mi­nis­te­ri­um von der TU infor­miert, die dar­auf­hin sofort den Stopp der Trock­nung anordnet.

Es ist schon ein toll­dreis­tes Vor­ge­hen der Reak­tor­be­trei­ber, dass sie die Infor­ma­ti­on des Umwelt­mi­nis­te­ri­ums hin­aus­zö­gern, um noch unbe­hel­ligt einen wei­te­ren Trock­nungs­zy­klus durch­zie­hen zu kön­nen. Und selbst die­ser – angeb­lich kor­rekt durch­ge­führ­te Zyklus hat­te es in sich: Allein in die­ser einen Woche wur­den 22,5% der Jah­res­ab­ga­be­men­ge von C14 abge­ge­ben. Auch da darf man Zwei­fel haben, ob das nor­mal ist.

Clau­dia Köh­ler, Mit­glied des Baye­ri­schen Landtags

Trotz – oder wegen? — die­ses uner­hör­ten Ver­hal­tens der Reak­tor­be­trei­ber hält das Umwelt­mi­nis­te­ri­um nach außen hin still. Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um stoppt nicht nur die Trock­nung der Har­ze, es ver­langt die wöchent­li­che Erfas­sung der C14 Emis­sio­nen und einen Bericht des Betrei­bers zu wirk­sa­men Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung sol­cher Stör­fäl­le. Aber die Öffent­lich­keit wird davon weder von der TU noch vom Baye­ri­schen Umwelt­mi­nis­te­ri­um informiert.

„Es ist unsäg­lich, wie das Umwelt­mi­nis­te­ri­um bei der Geheim­hal­tung der Vor­fäl­le mit der TU Mün­chen unter einer Decke steckt“, schimpft Mar­kus Büch­ler. „Erst als am 14. Mai die Ergeb­nis­se die Über­schrei­tung der Jah­res­grenz­wer­te defi­ni­tiv fest­stan­den, muss­te not­ge­drun­gen die Öffent­lich­keit infor­miert wer­den, denn das schreibt die Atom­recht­li­che Sicher­heits­be­auf­trag­ten- und Mel­de­ver­ord­nung – AtSMV vor. Sonst wüss­ten wir viel­leicht bis heu­te nichts von dem unge­brems­ten C14-Aus­stoß im März und von den Trick­se­rei­en der TU.“

In fol­gen­den Doku­men­ten kön­nen Sie die Details zu unse­ren Anfra­gen nachlesen:

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