Claudia Köhler, MdL, Karl Bär, MdB und Markus Büchler, MdL vor Prozessbeginn in Bozen

Pes­ti­zid-Ein­satz bei Lebens­mit­teln: Pro­zess gegen Karl Bär in Bozen endet mit Freispruch

Zum fünf­ten Mal war ich bereits als par­la­men­ta­ri­sche Pro­zess­be­ob­ach­te­rin in Bozen, um den Pes­ti­zid­pro­zess gegen Karl Bär zu ver­fol­gen. Dies­mal reis­te ich mit mei­nem Kol­le­gen Dr. Mar­kus Büch­ler ins schö­ne Süd­ti­rol zu einer sehr unschö­nen Ange­le­gen­heit. Am Ende sieg­te jedoch die Meinungsfreiheit.

Am Frei­tag, 6. Mai 2022, dem fina­len Ver­hand­lungs­tag im Süd­ti­ro­ler Pes­ti­zid-Pro­zess, wur­de Karl Bär in allen Ankla­ge­punk­ten frei­ge­spro­chen. Damit gibt es nach ein­ein­halb Jah­ren end­lich Gerech­tig­keit für Bär, der inzwi­schen Grü­ner Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter und für sein Man­dat frei­ge­stell­ter Agrar­re­fe­rent im Umwelt­in­sti­tut Mün­chen ist.

„Süd­ti­rol hat ein Pes­ti­zid­pro­blem. Der hohe Ein­satz von Che­mi­ka­li­en im Apfel­an­bau scha­det der Umwelt und den Men­schen. Das Urteil heu­te stellt klar: Kri­tik, auch zuge­spitz­te Kri­tik, dar­an ist auch in Süd­ti­rol legal. Der Ver­such der Lan­des­re­gie­rung, sie juris­tisch zu unter­bin­den, ist geschei­tert. Die­ses Urteil ist weg­wei­send für alle in Euro­pa, die sich für eine gesun­de Umwelt und Natur ein­set­zen. Es soll­te auch ein Zei­chen an alle mäch­ti­gen Per­so­nen und Unter­neh­men sein, die Jus­tiz nicht wei­ter zu miss­brau­chen, um Kritiker*innen mit zeit­rau­ben­den und kost­spie­li­gen Gerichts­ver­fah­ren ein­zu­schüch­tern. Solan­ge es kei­nen gesetz­li­chen Schutz gibt, ist öffent­li­cher Druck das bes­te Mit­tel gegen die­se Kla­gen. Daher bedan­ke ich mich bei allen, die mich in die­sem Pro­zess mit Tat­kraft, Soli­da­ri­tät und Geld unter­stützt haben, beson­ders beim Umwelt­in­sti­tut Mün­chen“, sagt Karl Bär.

„Ich freue mich sehr über den Frei­spruch von Karl Bär. Das Urteil ist das ein­zig gerech­te und bekräf­tigt, wie rich­tig und wich­tig Karl Bärs Ein­satz für eine umwelt­freund­li­che Land­wirt­schaft ist. Es ist gut, dass die­ser Pro­zess nun end­lich ein Ende fin­det. Bäuer*innen und Politiker*innen gehö­ren gemein­sam an einen Tisch, denn nur im Team kön­nen wir zu ech­ten Lösun­gen für den Anbau und die Ern­te nach­hal­ti­ger Lebens­mit­tel zu fai­ren Prei­sen kom­men. Wir GRÜNE stär­ken die bäu­er­li­che Land­wirt­schaft im Ein­klang mit Umwelt- und Arten­schutz. Mit sei­nem Gesprächs­an­ge­bot an die Süd­ti­ro­ler Bäuer*innen beweist Karl Bär, dass es ihm genau dar­um geht“, kom­men­tiert Eva Let­ten­bau­er, Par­tei­vor­sit­zen­de der baye­ri­schen GRÜNEN.

„Das Pro­zess­ende macht nun end­lich den Weg für die öffent­li­che Dis­kus­si­on zwi­schen Land­wirt­schaft und Umwelt­schutz frei. Zur Demo­kra­tie gehört es nun mal, Kri­tik öffent­lich zu äußern. Des­halb bin ich erleich­tert, dass Ein­schüch­te­rungs­ver­su­che mit orches­trier­ten Sam­mel­kla­gen, von denen ein Klä­ger berich­tet hat, am Ende nicht gefruch­tet haben und Karl Bär frei­ge­spro­chen wur­de“, sagt Clau­dia Köh­ler, die Abge­ord­ne­te der baye­ri­schen Land­tags-GRÜ­NEN ist und den Pro­zess heu­te mit ihrem grü­nen Frak­ti­ons­kol­le­gen Mar­kus Büch­ler als Beob­ach­te­rin begleitete.

Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on:

Karl Bär wur­de von der Staats­an­walt­schaft Bozen wegen übler Nach­re­de und Mar­ken­fäl­schung ange­klagt, weil er im Jahr 2017 die Kam­pa­gne „Pes­ti­zid-Tirol“ des Umwelt­in­sti­tuts ver­ant­wor­te­te, die auf den hohen Ein­satz von Pes­ti­zi­den in Süd­ti­rol auf­merk­sam mach­te. Der Pro­zess begann am 15. Sep­tem­ber 2020 in Bozen. Im Lau­fe der Ver­hand­lungs­ta­ge zogen der Süd­ti­ro­ler Lan­des­rat Arnold Schuler und alle 1.370 Landwirt*innen ihre Anzei­gen zurück. Dem Ange­klag­ten Bär droh­ten ursprüng­lich Scha­den­er­satz­for­de­run­gen in Millionenhöhe.

 

 

Medi­en­echo:

Pes­ti­zid­ti­rol- ARD Abenschau

Ver­fah­ren gegen Karl Bär unzu­läs­sig und been­det — BR 24

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