Das von der TU Mün­chen vor­ge­leg­te „Gegen-Gut­ach­ten“ zur Recht­mä­ßig­keit des Gar­chin­ger Reak­tor­be­triebs ist sein Papier nicht wert

Im Janu­ar 2020 hat­te die TU Mün­chen ein Gut­ach­ten des Leip­zi­ger Rechts­an­walts Dr. Chris­ti­an Raetz­ke zur Recht­mä­ßig­keit des Betriebs des Gar­chin­ger For­schungs­re­ak­tors FRM II mit hoch ange­rei­cher­tem Uran ver­öf­fent­licht. Die­ses „Gegen­gut­ach­ten“ der TU Mün­chen hat­te wohl den Zweck, das Gut­ach­ten, das im Som­mer 2019 vom Ver­ein „Bür­ger gegen den Atom­re­ak­tor Gar­ching“, dem Umwelt­in­sti­tut Mün­chen, dem Bund Natur­schutz und der Land­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen beauf­tragt wur­de, zu entkräften.

„Nach einer ver­tief­ten Prü­fung durch unse­re Rechts­an­wäl­tin Frau Dr. Cor­ne­lia Ziehm füh­len wir uns in unse­rer ers­ten Ein­schät­zung, dass nur der Wider­ruf der Geneh­mi­gung den andau­ern­den rechts­wid­ri­gen Betrieb des FRM II been­den kann, bestä­tigt“, erklär­ten die vier genann­ten Orga­ni­sa­tio­nen heu­te in Mün­chen. „Der größ­te Teil der Arbeit von Herrn Raetz­ke befasst sich mit The­men, die nicht Gegen­stand des Ver­fah­rens sind. Das von der TU Mün­chen vor­ge­leg­te Gegen­gut­ach­ten zur Recht­mä­ßig­keit des Gar­chin­ger Reak­tor­be­triebs mit immer noch hoch­an­ge­rei­cher­tem Uran ist sein Papier nicht wert.“

„Ob der Betrieb des Gar­chin­ger For­schungs­re­ak­tors seit 2011 trotz nicht erfolg­ter Umrüs­tung auf nied­ri­ger ange­rei­cher­tes Uran noch recht­mä­ßig ist, ent­schei­det sich allein an der Fra­ge, ob die­se Maß­ga­be eine wesent­li­che Inhalts­be­stim­mung ist, oder nur eine Neben­auf­la­ge“, erklär­te Dipl. Phy­si­ke­rin Karin Wurz­ba­cher vom Ver­ein Bür­ger gegen den Atom­re­ak­tor Gar­ching. „Es ist offen­sicht­lich, dass die Umrüs­tungs­maß­ga­be, gestützt auf eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Frei­staat Bay­ern und dem Bund, ein imma­nen­ter Rege­lungs­be­stand­teil der Geneh­mi­gung ist, und kein unver­bind­li­cher Wunsch der Geneh­mi­gungs­be­hör­de. Das konn­te auch Dr. Raetz­ke nicht widerlegen.“

Dr. Hau­ke Doerk vom Umwelt­in­sti­tut Mün­chen ergänz­te dazu: „Die TU Mün­chen ist offen­sicht­lich in gro­ße Erklä­rungs­not gera­ten. Es ist schon erstaun­lich, dass sich die TUM gera­de einen lang­jäh­ri­gen Atom­ju­ris­ten von E.ON geholt hat, um den Wei­ter­be­trieb des Gar­chin­ger For­schungs­re­ak­tors mit dem atom­waf­fen­fä­hi­gen Uran noch zu ret­ten. Dabei ist der Ein­satz des hoch­an­ge­rei­cher­ten Urans kei­nes­wegs zwin­gend notwendig.“

„Bei der TU Mün­chen macht sich Unsi­cher­heit breit. Das Gut­ach­ten von Rechts­an­wäl­tin Ziehm hat offen­bar so viel Ein­druck hin­ter­las­sen, dass die TU Mün­chen 35.000 Euro für ein Gut­ach­ten aus­gibt, um eine Gegen­po­si­ti­on zu mar­kie­ren, nur um eine zügi­ge Umrüs­tung auf nied­ri­ger ange­rei­cher­tes Uran wei­ter zu ver­hin­dern“, erklär­te Clau­dia Köh­ler, haus­halts­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen Land­tags­frak­ti­on und Abge­ord­ne­te des Stimm­krei­ses München-Land.

 

Ziehm_Stellungnahme_30_01_2020

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