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Kin­der­be­treu­ung — Home Office — Home Schoo­ling — Was ler­nen wir aus der Krise?

Im Orts­ver­band mei­ner Hei­mat­ge­mein­de Unter­ha­ching wur­de ein Online-Gespräch mit Unter­ha­chin­ger Expert*innen und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten, dar­un­ter mein Kol­le­ge Johan­nes Becher, MdL, Spre­cher für früh­kind­li­che Bil­dung, zum The­ma “Kin­der und Fami­lie” orga­ni­siert. Zahl­rei­che Fach­kräf­te und Eltern mel­de­ten sich zu Wort, so dass im Anschluss ein State­ment mit For­de­run­gen an die Poli­tik for­mu­liert wurde:

Kin­der haben eige­ne Bedürf­nis­se beim Auf­wach­sen und Ler­nen:

Sie sind auf den Schutz von Erwach­se­nen ange­wie­sen und dar­auf, dass die­se ihre ihnen zuste­hen­den Rech­te und Bedürf­nis­se wahr­neh­men und sich dafür ein­set­zen. Kin­der sind ange­wie­sen auf Bezie­hun­gen: peer-to-peer, um zu ler­nen, und auch in Ko-kon­struk­ti­on und mit Feed­back zu ihren Lern­er­fol­gen mit Erwachsenen.

Kin­der haben ein Recht auf Par­ti­zi­pa­ti­on und Chancengerechtigkeit

Kin­der wol­len sich betei­li­gen uns sind zu Koope­ra­ti­on fähig. Erwach­se­ne müs­sen Bedin­gun­gen schaf­fen für die För­de­rung sozia­ler, kogni­ti­ver und emo­tio­na­ler Kom­pe­ten­zen, für Gemein­schaft in Viel­falt (Inklu­si­on) und zur Wah­rung des Kin­des­wohls. Kin­der sind ein­zu­be­zie­hen in die Pro­blem­lö­sung gesell­schaft­li­cher Her­aus­for­de­run­gen wie Corona.

Die Coro­na-Kri­se hat alles deut­lich gemacht, was auch davor schon pro­ble­ma­tisch war:

Es wur­den Kitas und Schu­len für vie­le Wochen geschlos­sen und es ent­stand lan­ge der Ein­druck, dass poli­tisch Ver­ant­wort­li­che vie­les, was damit in Zusam­men­hang steht, nicht im Fokus haben: Das sind die

  • Kin­der und Jugend­li­chen, das sind die
  • Eltern, die teils Home office und Kin­der­be­treu­ung stem­men muss­ten, das sind die
  • Beschäf­tig­ten in Kitas und Schu­len, die oft selbst betrof­fen waren von Kin­der­be­treu­ung und den Erfor­der­nis­sen, mit den ihnen anver­trau­ten Kin­dern in Kon­takt zu blei­ben sowie der eige­nen gesund­heit­li­chen Unsicherheit.

 Gewalt gegen­über Kin­dern (Stu­die TU Mün­chen Juni 2020: Jedes 10. Kind hat in Qua­ran­tä­ne Gewalt erfah­ren) und Müt­tern sowie Armut wur­de anfangs aus­ge­blen­det: Neben der Kita­be­treu­ung war auch die Bezirks­so­zi­al­ar­beit und Jugend­ar­beit so schlecht aus­ge­stat­tet, dass es ihnen kaum gelang, mit ihren Klient*innen in Kon­takt zu bleiben.

Wochen von Nicht­be­treu­ung zemen­tie­ren Bil­dungs­un­ge­rech­tig­keit: Kin­der, die weni­ger zu Hau­se geför­dert wer­den, holen das Ver­säum­te nicht mehr auf. Es fol­gen Pro­ble­me über die gan­ze Bildungskarriere.

In der Kita traf Coro­na auf einen Per­so­nen­kreis in der Kita, der sowie­so am Ran­de der Belas­tungs­fä­hig­keit arbei­tet. Oft ist die digi­ta­le Aus­stat­tung mit Hard­ware und WLAN nicht vor­han­den. Es gibt kei­ne erar­bei­te­ten Stan­dards, wie mit Fami­li­en online Kon­takt gehal­ten wer­den kann.

Retra­di­tio­na­li­sie­rung: die Frau­en­rol­le, die alles managt, zemen­tiert sich (Prof. Jut­ta All­men­din­ger), wir wer­den in der Gleich­stel­lung um 30 Jah­re zurückgeworfen.

Daher sind unse­re For­de­run­gen an die Poli­tik, um bei einem wei­te­ren Lock­down vor­be­rei­tet zu sein:

  • Kin­der und Jugend­li­che müs­sen in den Fokus genom­men werden!
  • Alle genann­ten Betrof­fe­nen brau­chen in der Poli­tik eine Lobby!
  • Päd­ago­gik, Psy­cho­lo­gie, Kin­der­ver­bän­den etc. müs­sen in Kri­sen­stä­ben ver­tre­ten sein!
  • Schnel­le Kom­mu­ni­ka­ti­on von Poli­tik­sei­te, wie die nächs­ten Wochen eines Lock­downs orga­ni­siert wer­den: Ein Fahr­plan und Stan­dards wer­den entwickelt.
  • Kin­der kom­men trotz Lock­down regel­mä­ßig mit Kin­dern zusam­men (gemein­sa­me Qua­ran­tä­ne, Klein­grup­pen, Video,…). Ihren Bedürf­nis­sen wird nach­ge­kom­men, das heißt auch dezi­diert, dass es nicht an Sport und geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fächern feh­len darf.
  • Jün­ge­re Kin­der wer­den bevor­zugt betreut. Es wird alles unter­nom­men, um die Kin­der wei­ter zu betreu­en, unter Umstän­den müs­sen ande­re Bevöl­ke­rungs­grup­pen zurück stecken.
  • Wei­ter­be­zah­lung von Hono­rar­kräf­ten in Kitas und Schu­len (sie­he Vor­kurs Deutsch und ande­re Förderungen)
  • Fest­le­gung von Min­dest­stan­dards zum wei­te­ren Kon­takt Kinder/Eltern
  • Finan­zie­rung Schutz­aus­rüs­tung, regel­mä­ßi­ges Tes­ten für Per­so­nal an Kitas und Schulen
  • Schnellst­mög­li­che digi­ta­le Aus­stat­tung von Kitas und Schu­len, WLAN, Rege­lung des Umgangs mit digi­ta­len Mit­teln, Stan­dards und Qua­li­fi­zie­rung. Stich­wort Lernmittelfreiheit
  • Ein­be­zug von Schülervertretungen
  • Rege­lun­gen von Arbeit­ge­ber­sei­te für Eltern, die Kin­der­be­treu­ung leis­ten müs­sen, Redu­zie­rung der Arbeits­zeit auch bei Männern!
  • Finan­zi­el­le Ent­las­tung und Unter­stüt­zung von Eltern, wo immer es nötig ist

Über den Lock­down hin­aus ist erforderlich:

  • Es braucht eine bes­se­re Bezah­lung des Kita-Personals
  • Es braucht bes­se­re Bedin­gun­gen für die Arbeit in Kita und Schu­le: klei­ne­re Grup­pen, mehr Personal
  • Das Per­so­nal benö­tigt eine sehr gute Aus­bil­dung und in der Päd­ago­gik eine hohe Qualität
  • Kon­junk­tur­pa­ket für Sozia­les wäre zu begrü­ßen: Z. B. Bil­dungs­fond für zusätz­li­ches Per­so­nal an Kitas und Schu­len, mit finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung für Aus­bil­dung und Bezah­lung des Per­so­nals, Schaf­fung von Stu­di­en­gän­gen, etc.

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