Haus­halts­rech­nung 2018

Rede zur Haus­halts­re­chung 2018 in der 51. Ple­nar­sit­zung des Baye­ri­schen Land­tags am 07.07.2020.

In der Haus­halts­rech­nung wird Bilanz gezo­gen. Es wer­den die tat­säch­li­chen Ein­nah­men und Aus­ga­ben den Ansät­zen aus dem Haus­hals­plan gegen­über gestellt. Wie haben wir gewirt­schaf­tet? Wie hat der Mit­tel­ein­satz sein Ziel erreicht?
Als Grund­la­ge für die Dis­kus­si­on dient die Prü­fung der Haus­halts­rech­nung durch den Obers­ten Rech­nungs­hof. Er ver­gleicht Ansät­ze und Ist-Wer­te, Wir­kung der Aus­ga­ben und zeigt nicht umge­setz­te Auf­ga­ben auf. Schließ­lich schlägt er kon­struk­tiv Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten als Beschluss­vor­schlä­ge auf.

Nach der Dis­kus­si­on im Haus­halts­aus­schuss wur­de die Haus­halts­rech­nung für 2018 im Ple­num dis­ku­tiert. Mein Fazit: Wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zeigt sich, dass Mil­li­ar­den an Aus­ga­be­res­ten (geneh­mig­te Mit­tel für dann doch nicht umge­setz­te Auf­ga­ben) lie­gen gelas­sen wur­den und somit nicht genü­gend struk­tu­rell in die Zukunft inves­tiert wur­de. Und wie ein roter Faden zieht sich das end­lich drin­gend anzu­ge­hen­de The­ma Digi­ta­li­sie­rung durch alle Ressorts.

 

Die Aus­ga­ben sind 2018 um 4,9% gestie­gen, obwohl das Ziel war unter 3% zu blei­ben. Trotz War­nun­gen wur­den im Wahl­jahr 2018 etli­che neue Aus­ga­ben beschlos­sen – per Gesetz gleich für die nächs­ten Jah­re. Aus­ga­ben, die zukünf­ti­ge Haus­hal­te extrem belas­ten und den Hand­lungs­spiel­raum einschränken.

  • 375 Mio Landespflegegeld,
  • 767 Mio Familiengeld,
  • 150 Mio Eigenheimzulage,
  • 37,5 Mio Baukindergeld

Ins­ge­samt über 1,3 Mrd Euro – all das ohne struk­tu­rel­le Verbesserungen.

Inves­ti­tio­nen in struk­tu­rel­le Ver­bes­se­run­gen wer­den nicht getä­tigt. Es wur­de viel ver­spro­chen, aber dann nicht umge­setzt. Der Obers­te Rech­nungs­hof (ORH) kri­ti­siert erneut die hohen Haus­halts­res­te, d.h. bewil­lig­te Gel­der, die nicht aus­ge­ge­ben wur­den. Die­se haben sich in den letz­ten 10 Jah­ren ver­dop­pelt: 7,3 Mrd. Ende 2018, also über 11% des Haus­halts, z.B.

  • 326 Mio Euro für die all­ge­mei­ne Wirtschaftsförderung,
  • 114 Mio. bei der Krankenhausfinanzierung,
  • 57 Mio Euro für die Energiewirtschaft
  • 36 Mio Euro für die Digi­ta­li­sie­rung der Bildung

Des­halb for­dern wir die­se Mit­tel zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung end­lich aus­zu­ge­ben, z.B.:

  • 1,5 Mrd.  für “Bau und Ver­kehr“, Geld für Wohn­raum und Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehr (SPNV). Das sind Pro­jek­te wie die S4 und S7 in Mün­chen, der Erdin­ger Ring­schluss, die 2. Stammstrecke.
  • 402 Mio. für “Sozia­les”, die für neue Plät­ze in Frau­en­häu­sern, sozia­le Infra­struk­tur und für schnel­le Hil­fen für Obdach­lo­se ver­wen­det wer­den könnten.
  • 1,7 Mrd. für „Kunst und Wissenschaft“
  • 154 Mio. für den vor­ge­se­hen Breit­band­aus­bau und
  • 286 Mio. für Digi­ta­le Bil­dung, Schu­lung, genü­gend Personal

Wir brau­chen jetzt klu­ge Inves­ti­tio­nen in die Zukunft. Ein Umden­ken in der Haus­halts­po­li­tik ist unum­gäng­lich – ange­sichts der sin­ken­den Steu­er­ein­nah­men 2020 und der neu­en Rück­zah­lungs­pflich­ten für die Corona-Schulden!

Wir kön­nen kein The­men­feld mehr los­ge­löst sehen oder igno­rie­ren: Wirt­schaft­li­chen Erfolg, Gesund­heit und sozia­le Gerech­tig­keit wird es nur gemein­sam geben mit Kli­ma­schutz, mit Ener­gie­wen­de, mit Digi­ta­li­sie­rung, mit ver­läss­li­cher Bil­dung für alle und mit einer Ver­kehrs­wen­de. Den­ken wir end­lich lang­fris­tig! Han­deln wir end­lich nach­hal­tig und zukunftsintelligent!

Mei­ne voll­stän­di­ge Rede kön­nen Sie hier nach­le­sen oder im Ple­num TV ansehen.

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