Digitalisierung, Finanzierung, E‑Mobilität, Wirtschaft, Staatsfonds, Kreislaufwirtschaft – die Themen unserer Informationsreise waren sehr vielfältig.
A propos vielfältig – überall in Oslo, von der kleinen Bar über die Tramstationen bis zu beleuchteten Brücken, war im Juni der Regenbogen zu sehen – selbstverständlich und bunt als Zeichen der Vielfalt und Weltoffenheit.
Unser Programm war reichhaltig und gab uns einen guten Einblick in Politik und Wirtschaft Norwegens.
Im Seminarraum der AHK, der deutsch-norwegischen Handelskammer, waren zahlreiche Referenten zu Gast. Vom Digitaliseringsdirektoratet und der Digitalisierungsagentur erfuhren wir, dass der norwegische Staat den Bürgern und Bürgerinnen keine Papierbriefe mehr schreibt. Alle haben ein eigenes „Konto“ mit ihren Mitteilungen, Steuererklärungen etc.. Wer nicht firm ist, digitale Tools zu bedienen, dem wird in Bürgerbüros unkompliziert geholfen.
Sehr beeindruckt war ich, wie weit Norwegen in der Umstellung auf regenerative Energien bei der Stromerzeugung ist. Obwohl es riesige Öl- und Gasvorkommen gibt, die stark exportiert werden, ist das Land bereits zu 95% auf Erneuerbare umgestellt. Wasserkraft und Windkraft spielen die größte Rolle.
Zur Steigerung der E‑Mobilität wurden schon vor vielen Jahren Verbrenner stärker besteuert. Überall Elektroautos, Elektrobusse und Trams, kein Lärm, kein Gestank in der Innenstadt von Oslo. Ein Verband sorgte für die entsprechende Ladeinfrastruktur.
Über das Bildungssystem erfuhren wir, dass neue Herausforderungen stets als „Push“ für das System verstanden werden. Die Kinder lernen von 6 bis 16 Jahren gemeinsam in einer Schulart.
Bei Außentermin besuchten wir den Konzern Tomra, der für ganz Norwegen die Sortierung von Plastikabfall leistet. Angelieferte Plastikballen werden gewaschen, mit verschiedenen Verfahren nach Sorten getrennt, zerschnitten und zum Recycling neu sortiert und transportiert.
Die norwegische Plattform und Begegnungsstätte für die Immobilienbranche, Construction City, überzeugte mit modernen Büros, Co-Working-Spaces und einladenden Flächen für jedermann.
Auch im Science Park, einem führenden Zentrum für forschungsgetriebene Innovation, wird Platz für über 300 verschiedene Start-Ups, Netzwerke und Forschungseinrichtungen geboten. Solche Räume sind extrem wichtig für den Wissensaustausch, die Entwicklung und Kommerzialisierung von Innovationen. Unter anderem habe ich dort den bei uns in den Schulen sehr bekannten „Avatar“ von „No Isolation“ für Langzeit erkrankte Kinder wieder entdeckt. Eine Gründerin hat ihn in diesem Oslo Science Park entwickelt.
In Norwegen gibt es zwei große Staatsfonds, für den allgemeinen Haushalt und für den staatlichen Pensionsfonds. Für uns völlig ungewöhnlich wird also ein Teil der öffentlichen Gelder am freien Markt angelegt, für Norwegen bisher eine wichtige Einnahmequelle – die Hälfte des Haushaltsbudgets — , wenn auch immer mit einem Risiko behaftet. Dazu besuchten wir die Norges Bank.
Schließlich sprachen wir noch mit der Naeringslivets Hovedorganisasjon und Scaberia. Dabei ging es um den effektiven Einsatz von Fördermitteln, um technologische Ideen in marktfähige Geschäftsmodelle zu übersetzen und die Unternehmen zu begleiten.
Am meisten hat mich auf dieser Ausschussreise der überall spürbare Spirit Norwegens beeindruckt: Einfach mal machen!




Verwandte Artikel
Erst ablehnen, dann selbst beantragen: Grunderwerbsteuerverzicht auf erste selbstgenutzte Wohnimmobilie
Im Rahmen eines Antragspakets zum Thema Wohnen fordern die Grünen die Abschaffung der Grunderwerbssteuer für die erste selbstgenutzte Immobilie.. Die Grunderwerbssteuer ist durch ein Bundesgesetz geregelt, das regional angepasst wird.…
Weiterlesen »
Blaualgen statt Badespaß: Unsere Gewässer senden einen Hilferuf -
Grüne fordern besseren Gewässerschutz im Landkreis München Hitze und Trockenheit setzen die Gewässer im Landkreis München massiv unter Druck – mit gravierenden Folgen für Fische, Amphibien und andere Wasserlebewesen. „Statt…
Weiterlesen »
Bayern braucht Abkühlung — Staatsregierung erhöht Mittel nach Dringlichkeitsantrag der Grünen
Extreme Hitze kann für ältere Menschen, Schwangere, Kinder und Menschen, die Pflege brauchen, lebensgefährlich werden. Mit ihrem Dringlichkeitsantrag „Bayern braucht Abkühlung – Schnelle Hilfe für besonders gefährdete Menschen“ forderten die…
Weiterlesen »