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Neu­auf­stel­lung bei Resti­tu­ti­on von NS-Raub­kunst: Picas­so-Büs­te geht an Erben zurück

Blu­me, Staats­mi­nis­ter für Wis­sen­schaft und Kunst, hat ange­kün­digt, der Frei­staat Bay­ern wer­de eine bedeu­ten­de Picas­so-Büs­te an die Erben des jüdi­schen Kunst­händ­lers und Samm­lers Alfred Flecht­heim zurück­ge­ben. Es han­delt sich um die Bron­ze­plas­tik “Fer­nan­de” aus dem Jahr 1905.

Der Umgang mit NS-Raub­kunst ist bis heu­te ein bri­san­tes The­ma – auch in Bay­ern. Auch nach über 80 Jah­ren nach Kriegs­en­de und damit dem Ende des Natio­nal­so­zia­lis­mus sind immer noch unrecht­mä­ßig ent­zo­ge­ne Kunst­wer­ke in unse­ren öffent­li­chen Sammlungen.
Zur Resti­tu­ti­on der Fer­nan­de-Bron­ze in der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz nach der Kabi­netts­sit­zung erklärt San­ne Kurz, Spre­che­rin für Kul­tur der Landtags-Grünen:
„Dass die Fer­nan­de-Bron­ze von Picas­so nun end­lich zurück­ge­ge­ben wird, ist die rich­ti­ge Ent­schei­dung. Dafür set­zen wir Grü­ne uns seit Jah­ren ein. Die Washing­to­ner Prin­zi­pi­en hät­ten die­se Ent­schei­dung schon längst ermög­licht. Was bis­lang gefehlt hat, war kein neu­er Bewer­tungs­rah­men, son­dern poli­ti­scher Wille.”
Clau­dia Köh­ler: „Die Rück­ga­be der Fer­nan­de-Bron­ze darf kein Ein­zel­fall blei­ben. Ich erwar­te, dass Bay­ern sei­ne Blo­cka­de­hal­tung in der Resti­tu­ti­ons­po­li­tik auf­gibt und mit die­ser Rück­ga­be einen ech­ten Kurs­wech­sel einleitet!”

Der Frei­staat Bay­ern hat sich wie alle ande­ren Bun­des­län­der der Bun­des­re­pu­blik zur Umset­zung der Washing­to­ner Prin­zi­pi­en von 1998 bekannt und damit zur Resti­tu­ti­on von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut ver­pflich­tet. Trotz die­ser Ver­pflich­tun­gen und der wie­der­hol­ten Öffent­lich­keits­be­kun­dun­gen des Staats­mi­nis­ters für Wis­sen­schaft und Kunst Mar­kus Blu­me, bleibt Bay­ern aber bis­her weit dahin­ter zurück.

Beson­ders der in der Öffent­lich­keit breit dis­ku­tier­te Fall  um das Bild­nis Picas­sos „Madame Soler“ ist ein mahnen­des Bei­spiel dafür, dass der Frei­staat sich jeg­li­cher unab­hän­gi­gen Prü­fung seit Jah­ren ver­wei­gert. Dies steht im kla­ren Wider­spruch zu dem Beschluss von Bund und Län­dern im März 2024, unab­hän­gi­ge Struk­tu­ren zur Über­prü­fung von Resti­tu­ti­onsfäl­len zu stärken. 

Jetzt möch­te sich Bay­ern ins­ge­samt bei die­sem The­ma neu auf­stel­len. Damit wür­de eine lang­jäh­ri­ge For­de­rung von uns Grü­nen erfüllt. Am Insti­tut für Zeit­ge­schich­te (IfZ) in Mün­chen soll ein wis­sen­schaft­li­ches Zen­trum für Pro­ve­ni­enz­for­schung und Resti­tu­ti­ons­fra­gen von NS-Raub­gut ent­ste­hen, so der Minis­ter nach einer Kabi­netts­sit­zung. Hin­zu kom­me eine unab­hän­gi­ge Kom­mis­si­on. Die letz­te Ent­schei­dung über eine Rück­ga­be an Opfer des groß­an­ge­leg­ten Kunst­rau­bes der Natio­nal­so­zia­lis­ten will sich aber der Frei­staat selbst vor­be­hal­ten. Genau das sehen aber wir Grü­ne als Pro­blem: Die Wissenschaftler*innen in den bei­den neu­en Gre­mi­en könn­ten noch so vor­bild­lich arbei­ten, über Resti­tu­tio­nen ent­schei­det wei­ter­hin der Minister.

Kri­tisch ist auch der Umgang mit den geschä­dig­ten Familien.
Für Bay­ern ist eine brei­te­re, lan­des­ge­setz­li­che Grund­la­ge nötig, auch in Bay­ern ver­fas­sungs­kon­form zu ermög­li­chen, ohne bei­spiels­wei­se durch Tei­lung von Ver­kaufs­er­lö­sen das einst geraub­te Eigen­tum der betrof­fe­nen Fami­li­en erneut zu schmä­lern, oder Hin­ter­blie­be­ne von NS-Opfern erneut zur Abga­be ihres Kul­tur­guts, z. B. durch Ver­kauf,  zu drän­gen. Es muss klar sein: Die Per­so­nen, die heu­te begrün­de­te Ansprü­che stel­len, ent­schei­den im Fal­le einer Resti­tu­ti­on selbst und frei über den Besitz, der ihren meist jüdi­schen Fami­li­en von den Nazis geraubt wur­de. Wir for­dern eine gesetz­li­che Grund­la­ge über das Haushaltsrecht.

 

Dring­lich­keits­an­trag:

Weg frei für fai­re und gerech­te Lösun­gen: kla­re gesetz­li­che Rege­lung für Resti­tu­tio­nen auch in Bay­erns Haus­halts­recht schaffen

 

Alle unse­re grü­nen Anfra­gen und Anträ­ge zum The­ma NS-Raub­kunst fin­den Sie hier

Aus­führ­li­cher Arti­kel SZ:  Ist das die Wen­de im Umgang mit dem Nazi-Erbe?

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