Mit der Ausweitung eines bestehenden Rahmen-Microsoft-Lizenzvertrag versuchte die Staatsregierung, die Kosten in Bayern senken.
Was die digitale Souveränität betrifft, ist das Projekt jedoch umstritten. Zwischen dem Finanzminister Albert Füracker und Digitalminister Fabian Mehring ist Anfang des Jahres deshalb ein offener Konflikt entstanden.
Gegenstand des Streits war die geplante flächendeckende Umstellung der bayerischenVerwaltung und der Kommunen auf Microsoft 365. Ein Ziel der jetzigen Überlegungen sei auf Basis eines seit Jahren bestehenden Rahmenvertrages mit Microsoft die Konsolidierung bestehender Lizenzen, um Kosten für den Freistaat zu sparen. Diesen habe das Digitalministerium selbst abgeschlossen. “Um es ganz klar zu sagen: Ein neuer Rahmenvertrag steht daher nicht im Raum,” so Füracker damals.
In der aktuellen Diskussion um die Lizenzvereinbarungen des bayerischen Finanzministeriums zum Einsatz von Microsoft 365 bleiben aber viele Fragen offen. Die Pläne des Finanzministers seien im besten Fall naiv, im schlimmsten Fall fahrlässig, so die Kritiker. Statt einer seriösen Risikoabwägung erleben wir ein öffentliches Tauziehen innerhalb der Staatsregierung. Egal ob neuer Vertrag oder Verlängerung: Faktisch würde Bayern seine Abhängigkeit von Microsoft weiter vertiefen – das Gegenteil von digitaler Souveränität, was von verschiedenen IT-Experten kritisiert wird, u.a. von dem Würzburger Informatik-Professor Harald Wehnes, der sich mit einem Schreiben direkt an den Ministerpräsidenten gewandt hat.
Die geopolitische Lage hat sich geändert, blindes Vertrauen in US-Firmen verstärkt die Abhängigkeit, anstatt die Fähigkeiten der Firmen in Bayern zu nutzen und zu verstärken. Echte Offenheit ist jetzt gefragt, verschiedene Optionen müssen geprüft werden, um Risiken transparent zu bewerten und dann eine fundierte Entscheidung zu treffen.
In Bayern sollte aber der entgegengesetzte Weg eingeschlagen werden. Die bayerische Regierung wollte einen neuen Vertrag mit Microsoft abschließen. Dieser soll die Nutzung von Microsoft 365 für alle staatlichen Behörden beinhalten. Bayern stellt sich damit Bayern gegen den bundes- und europaweiten Trend der digitalen Souveränität. Für den Bruchteil dieser Lizenzkosten könnte die regionale Wirtschaft selbst etwas aufbauen.
Auch wir Grüne hatten dazu einen Dringlichkeitsantrag gestellt, den mein Kollege Benni Adjei vorstellte. Dieser wurde von CSU und FW abgelehnt.
Dringlichkeitsantrag: Milliardenentscheidungen nicht im Blindflug treffen: Digitale Abhängigkeiten abbauen statt zementieren
Doch jetzt macht das Finanzministerium offenbar einen Rückzieher beim umstrittenen Milliardenvertrag mit Microsoft, (den es ja angeblich gar nicht gebe). Das Vorhaben werde aktuell nicht angestrebt, so Füracker. Davon zu unterscheiden seien aber Überlegungen zur Konsolidierung bereits bestehender Verträge.
Claudia Köhler: “Bayern braucht eine IT-Infrastruktur, die weder ausgespäht noch abgeschaltet werden kann. Bayern, Deutschland und Europa stehen vor der Aufgabe, ihre digitale Zukunft eigenständig und souverän zu gestalten, statt sie sich von den Eigeninteressen anderer Akteure bestimmen zu lassen. Technologische Unabhängigkeit und Wahlfreiheit sind längst Schlüsselfaktoren für politische Handlungsfähigkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Resilienz. Aufgrund der sich verändernden geopolitischen Lage ist es deshalb essenziell, ein Bewusstsein bezüglich möglicher Abhängigkeiten zu entwickeln und vergangene Entscheidungen kritisch zu prüfen, um auf kommende Entwicklungen vorbereitet zu sein.”
Schriftliche Anfrage: Vertragsverhandlungen zum Bayernvertrag mit Microsoft




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