Mehr Nachwuchs fürs Handwerk: Grüne wollen Pilotprojekt ausbauen
Ein Jahr lang vier verschiedene Handwerksberufe für jeweils drei Monate ausprobieren und so den Weg in eine Ausbildung finden: Das ist die Idee hinter dem „Freiwilligen Handwerksjahr Bayern“. Bundesweit fehlen schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Fachkräfte im Handwerk, während jedes Jahr zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Die Landtags-Grünen fordern deshalb ein deutlich stärker ausgestattetes Pilotprojekt als von der Staatsregierung geplant.
Andreas Birzele, Schreinermeister und Beauftragter für das Handwerk der Landtags-Grünen, erklärt: „Die Staatsregierung will für ihr Pilotprojekt gerade einmal 150.000 Euro bereitstellen – und das zunächst nur für das Jahr 2026. Wir schlagen dagegen 500.000 Euro für zwei Jahre vor, um ein wirklich tragfähiges Modellprojekt mit klarer Struktur, mehreren Modellregionen und wissenschaftlicher Begleitung aufzubauen. Die jährliche Leihgebühr eines Pandas für den Tierpark Hellabrunn, die Ministerpräsident Söder angekündigt hat, kostet den Freistaat rund 500.000 Euro. Dieses Geld wäre im bayerischen Handwerk deutlich sinnvoller angelegt.“
Vorbild ist ein Pilotprojekt der Handwerkskammer Lübeck. Dort lernen Jugendliche innerhalb eines Jahres verschiedene Handwerksberufe direkt in rund 150 Betrieben kennen. Der Erfolg des Lübecker Modells zeigt, welches Potenzial in einer praxisnahen Berufsorientierung steckt. Auch in Bayern sehen Handwerksorganisationen große Chancen. Denn rund 70 Prozent der Auszubildenden finden ihren Ausbildungsplatz über ein Praktikum. Genau hier setzt das Freiwillige Handwerksjahr an.
Claudia Köhler, haushaltspolitische Sprecherin der Grünen und Betreuungsabgeordnete für den Landkreis Eichstätt, betont mit Blick auf die Region: „Gerade im Landkreis Eichstätt ist das Handwerk ein wichtiger Pfeiler der regionalen Wirtschaft. Viele kleine und mittelständische Betriebe bilden aus und suchen händeringend Nachwuchs. Ein gut organisiertes Freiwilliges Handwerksjahr kann jungen Menschen helfen, verschiedene Berufe auszuprobieren, und Betriebe neue Auszubildende bringen.“
Die Landtags-Grünen schlagen deshalb vor, ein strukturiertes Modellprogramm Freiwilliges Handwerksjahr Bayern aufzubauen. Dazu gehören mehrere Modellregionen, Koordinationsstellen bei den Handwerkskammern, eine flexible Handhabung der Schulpflicht und eine angemessene Aufwandsentschädigung für Teilnehmende sowie eine wissenschaftliche Begleitung.
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