Foto: Team Köhler

Frei­wil­li­ges Jahr fürs Hand­werk — aber mit Plan

Mehr Nach­wuchs fürs Hand­werk: Grü­ne wol­len Pilot­pro­jekt ausbauen

Ein Jahr lang vier ver­schie­de­ne Hand­werks­be­ru­fe für jeweils drei Mona­te aus­pro­bie­ren und so den Weg in eine Aus­bil­dung fin­den: Das ist die Idee hin­ter dem „Frei­wil­li­gen Hand­werks­jahr Bay­ern“. Bun­des­weit feh­len schät­zungs­wei­se 200.000 bis 250.000 Fach­kräf­te im Hand­werk, wäh­rend jedes Jahr zahl­rei­che Aus­bil­dungs­plät­ze unbe­setzt blei­ben. Die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Clau­dia Köh­ler und San­ne Kurz for­dern des­halb ein deut­lich stär­ker aus­ge­stat­te­tes Pilot­pro­jekt als von der Staats­re­gie­rung geplant.

Clau­dia Köh­ler, haus­halts­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen und Betreu­ungs­ab­ge­ord­ne­te für den Land­kreis Rosen­heim, erklärt: „Die Staats­re­gie­rung will für ihr Pilot­pro­jekt gera­de ein­mal 150.000 Euro bereit­stel­len – und das zunächst nur für das Jahr 2026. Wir schla­gen dage­gen 500.000 Euro für zwei Jah­re vor, um ein wirk­lich trag­fä­hi­ges Modell­pro­jekt mit kla­rer Struk­tur, meh­re­ren Modell­re­gio­nen und wis­sen­schaft­li­cher Beglei­tung auf­zu­bau­en. Die jähr­li­che Leih­ge­bühr eines Pan­das für den Tier­park Hel­la­brunn, die Minis­ter­prä­si­dent Söder ange­kün­digt hat, kos­tet den Frei­staat rund 500.000 Euro. Die­ses Geld wäre im baye­ri­schen Hand­werk deut­lich sinn­vol­ler angelegt.“

Vor­bild ist ein Pilot­pro­jekt der Hand­werks­kam­mer Lübeck. Dort ler­nen Jugend­li­che inner­halb eines Jah­res ver­schie­de­ne Hand­werks­be­ru­fe direkt in rund 150 Betrie­ben ken­nen. Der Erfolg des Lübe­cker Modells zeigt, wel­ches Poten­zi­al in einer pra­xis­na­hen Berufs­ori­en­tie­rung steckt. Auch in Bay­ern sehen Hand­werks­or­ga­ni­sa­tio­nen gro­ße Chan­cen. Denn etwa 70 Pro­zent der Aus­zu­bil­den­den fin­den ihren Aus­bil­dungs­platz über ein Prak­ti­kum. Genau hier setzt das Frei­wil­li­ge Hand­werks­jahr an.

San­ne Kurz, Abge­ord­ne­te für den Land­kreis Rosen­heim, betont mit Blick auf Rosen­heim: „Auch in der Regi­on Rosen­heim suchen vie­le Hand­werks­be­trie­be hän­de­rin­gend Nach­wuchs. Ein gut orga­ni­sier­tes Frei­wil­li­ges Hand­werks­jahr kann jun­gen Men­schen hel­fen, ihre Talen­te zu ent­de­cken und Beru­fe in der Pra­xis ken­nen­zu­ler­nen. Gleich­zei­tig haben Betrie­be die Chan­ce, moti­vier­te Aus­zu­bil­den­de zu gewinnen.“

Die Land­tags-Grü­nen schla­gen des­halb vor, ein struk­tu­rier­tes Modell­pro­gramm Frei­wil­li­ges Hand­werks­jahr Bay­ern auf­zu­bau­en. Dazu gehö­ren meh­re­re Modell­re­gio­nen, Koor­di­na­ti­ons­stel­len bei den Hand­werks­kam­mern, eine fle­xi­ble Hand­ha­bung der Schul­pflicht und eine ange­mes­se­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung für Teil­neh­men­de sowie eine wis­sen­schaft­li­che Begleitung.

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