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Ver­heim­licht Söder Hubschrauberflüge?

Grü­ne kla­gen für Transparenz

Am 8. Sep­tem­ber 2025 haben Clau­dia Köh­ler und ande­re Abge­ord­ne­te der Land­tags-Grü­nen (Clau­dia Köhler, Dr. Mar­kus Büchler, Kers­tin Celi­na, Bar­ba­ra Fuchs, Chris­ti­an Hier­n­eis, Toni Schu­berl, Flo­ri­an Siek­mann, Dr. Sabi­ne Weig­and, Chris­ti­an Zwan­zi­ger) eine Schrift­li­che Anfra­ge ein­ge­reicht zur “Nut­zung von Poli­zei­hub­schrau­bern durch die Staats­re­gie­rung”. Nach meh­re­ren Nach­fra­gen und wie­der­hol­ten Monie­ren gab es zwar nach über zwei­ein­halb Mona­ten Ant­wor­ten von der Staats­re­gie­rung (sie­he Anhang),die für die Land­tags-Grü­nen aber zahl­rei­che wei­te­re Fra­gen auf­wer­fen. Daher haben die Land­tags-Grü­nen mit einer kur­zen Anfra­ge zum Ple­num noch ein­mal nach­ge­fragt, dies­mal aus­schließ­lich nach Anzahl und Kos­ten der Flüge.

Im Ein­ver­neh­men mit der Staats­kanz­lei teilt das Innen­mi­nis­te­ri­um auf bei­de Anfra­gen mit: „Eine detail­lier­te Beant­wor­tung der Fra­gen wür­de Ein­bli­cke in Umfang, Häu­fig­keit und kon­kre­te Ein­satz­sze­na­ri­en der Nut­zung erlau­ben und es ermög­li­chen, ein Bewe­gungs­pro­fil des Minis­ter­prä­si­den­ten zu erstel­len. Dar­aus könn­ten für künf­ti­ge Dienst­rei­sen Rück­schlüs­se auf das Fort­be­we­gungs­mit­tel gezo­gen wer­den, die die Sicher­heit bei zukünf­ti­gen Flü­gen kon­kret gefähr­den könnten.“

Die Land­tags-Grü­nen hal­ten die­se unvoll­stän­di­ge Ant­wort für kei­nes­falls aus­rei­chend, ver­fas­sungs­recht­lich nicht über­zeu­gend und die Bedeu­tung der Rech­te der Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten ver­ken­nend. Clau­dia Köh­ler, haus­halts­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Landtags-Grünen:

“Die­se dün­ne Begrün­dung über­zeugt mich nicht. Wenn der Minis­ter­prä­si­dent den Hub­schrau­ber nur in Not­fäl­len oder beson­de­ren Situa­tio­nen nut­zen wür­de, dann gäbe es auch kein kla­res Bewe­gungs­pro­fil. Bewe­gungs­pro­fi­le erfor­dern sich wie­der­ho­len­de, regel­mä­ßi­ge Mus­ter.  Es ist daher nicht nach­voll­zieh­bar, war­um eine Ant­wort zu Anzahl und Dau­er der ver­gan­ge­nen Flü­ge (ggflls. ohne Ort und Datum) eine Gefähr­dung der Sicher­heit dar­stel­len soll­te. Oder nutzt der Minis­ter­prä­si­dent die Hub­schrau­ber also doch häu­fi­ger und regel­mä­ßi­ger als bekannt und nicht nur für staat­li­che Zwecke?”

Wei­ter­hin heißt es als Ant­wort: „In den ange­frag­ten Jah­ren lag die Zahl der Ein­zel­flü­ge zwi­schen drei und elf, wel­che gemäß der Staats­kanz­lei aus­schließ­lich zur Wahr­neh­mung staat­li­cher Auf­ga­ben dien­ten und nicht zu Par­tei­ter­mi­nen erfolgten.“

Erst nach Beschwer­de bei der Land­tags­prä­si­den­tin wur­de zumin­dest erklärt, was der Begriff „Ein­zel­flü­ge“ bedeu­ten soll, näm­lich Flü­ge ohne Rückflug.

Clau­dia Köh­ler erklärt:

“Für mich erneut ein Aus­weich­ma­nö­ver. Soll mit dem Ver­weis auf “Ein­zel­flü­ge” die Anzahl der Flü­ge gedrückt wer­den? Was ist mit allen ande­ren Flü­gen? Gab es ande­re Flü­ge mit Hin- und Rück­flug oder wei­te­re Flü­ge, bei denen ande­re Mit­glie­der der Staats­re­gie­rung oder Mit­ar­bei­ten­de in der Maschi­ne saßen? Und war­um hat es einer zwei­ma­li­gen Frist­ver­län­ge­rung bedurft und rund zwei­ein­halb Mona­te gedau­ert, die­se spär­li­chen Ant­wor­ten zu ver­fas­sen und abzustimmen?”

Inter­es­sant ist in jedem Fall: Für Flü­ge mit Model­len der alten Poli­zei­hub­schrau­ber­flot­te wird ein Stun­den­satz zwi­schen 2.170 Euro (güns­tigs­ter Ein­satz­zweck) und 4.000 Euro (teu­ers­ter Ein­satz­zweck) ver­an­schlagt. Drei bis elf Mal pro Jahr gab es „Ein­zel­flü­ge“ für die Staats­kanz­lei. Das heißt im güns­tigs­ten Fall (3 Ein­sät­ze von je 1 Stun­de) haben die Steu­er­zah­ler pro Jahr 6.510 Euro, im teu­ers­ten Fall min­des­tens 44.000 Euro (11 Ein­sät­ze von je 1 Stun­de) für den Trans­port des Minis­ter­prä­si­den­ten per Hub­schrau­ber bezahlt.

Clau­dia Köh­ler, Spre­che­rin für Haus­halt der Land­tags-Grü­nen, sagt:

„Per Hub­schrau­ber zum Wahl­kampf­auf­tritt ins Bier­zelt? Dafür wird es von uns kei­ne Frei­ga­be von Mit­teln und Poli­zei­kräf­ten geben. Wer bei Fami­li­en spart und stän­dig von ande­ren ver­langt, den Gür­tel enger zu schnal­len, soll­te wenigs­tens offen­le­gen, wie oft er auf Staats­kos­ten mit dem Poli­zei-Hub­schrau­ber unter­wegs ist.”

Die Land­tags-Grü­nen wol­len sich nicht wei­ter­hin mit kryp­ti­schen Ant­wor­ten abspei­sen las­sen und wer­den des­halb vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof ihre ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Infor­ma­ti­ons­rech­te ein­kla­gen. In der Ver­gan­gen­heit waren ver­gleich­ba­re Kla­gen oft­mals erfolg­reich und haben die Staats­re­gie­rung zu aus­führ­li­che­ren Ant­wor­ten gezwun­gen. Minis­ter­prä­si­dent bzw. Minis­te­ri­um müs­sen auf Fra­gen der Abge­ord­ne­ten ver­nünf­tig ant­wor­ten – zur Not nicht öffent­lich. In den letz­ten Mona­ten häuf­ten sich die Fäl­le, in denen die Staats­re­gie­rung der Oppo­si­ti­on eine sach­li­che Ant­wort zu ihrem Fra­ge­recht verweigerte.

Bei die­ser Kla­ge wird die Frak­ti­on BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Baye­ri­schen Land­tag ver­tre­ten von der renom­mier­ten Par­tei­en­recht­le­rin und Ver­fas­sungs­rechts­pro­fes­so­rin Prof. Dr. Sophie Schön­ber­ger (Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin — Lehr­stuhl für Öffent­li­ches Recht, ins­be­son­de­re Ver­fas­sungs­recht und Ver­fas­sungs­theo­rie) vertreten:

“Das Fra­ge­recht der Oppo­si­ti­on ist ein wich­ti­ger Bau­stein der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie. Es ist von zen­tra­ler Bedeu­tung für die Mög­lich­keit, das Exe­ku­tiv­han­deln der Regie­rung durch Abge­ord­ne­te kon­trol­lie­ren zu können.”

Medi­en­echo:

Heli­ko­pter auf Staats­kos­ten: Grü­ne wol­len Infor­ma­tio­nen zu Söder-Flü­gen ein­kla­gen — MM

„Dün­ne Begrün­dung“: Söder soll wei­te­re Details zu Hub­schrau­ber­flü­gen lie­fern — TZ

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Streit um Söders Hub­schrau­ber-Flü­ge – Grü­ne zie­hen vor Ver­fas­sungs­ge­richt — Welt

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