Das Kabinett hatte Ende November Eckpunkte für den Doppelhaushalt für 2026/2027 bekannt gegeben. Zu aller Überraschung wurde beschlossen, das Krippengeld und das bayerische Familiengeld kurzfristig zum 1.1.2026 einzustellen und das geplante Kinderstartgeld nicht einzuführen. Und das auch noch durch die Hintertür über einen lapidaren Änderungsantrag zur zweiten Lesung des Gesetzentwurfs zur Einführung des Kinderstartgelds… das nun doch nicht eingeführt wird.
Das bedeutet, sofort keine direkten Leistungen mehr an Familien: Statt Krippen‑, Familien-oder Kinderstartgeld an junge Eltern auszubezahlen, will dieStaatsregierung die Mittel künftig direkt in die Kita-Betreuung stecken. Grundsätzlich ist es nicht falsch, in die Strukturen der Kinderbetreuung zu investieren, aber das hätte schon jahrelang passieren müssen und können. Schließlich lagen Ende 2023 und Ende 2024 10 Milliarden Euro in der Rücklage! Jetzt den Familien das geplante Geld mit einem Federstrich zu nehmen, ist nicht fair.
Das Familiengeld wurde kurz vor der Landtagswahl 2018 in Bayern eingeführt. Es sollte in Bayern lebende Familien mit Kindern zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr finanziell unterstützen. Viele Fotos und Pressemitteilungen rühmten diese Leistung.
Zukunftsorientierter wäre es schon damals gewesen, Geld nur nach Einkommen der Eltern gestaffelt auszubezahlen und weitere Mittel gleich in die Infrastruktur der Kinderbetreuungseinrichtungen zu stecken, das Personal zu sichern und neue Betreuungsplätze zu schaffen. Zu den Haushaltsberatungen der letzten Jahre legten wir entsprechende Anträge vor: Eltern, die es brauchen, soll geholfen und Planungssicherheit gegeben werden. Betreuung muss gesichert sein, junge Eltern müssen sich darauf verlassen können!
Jetzt aber erst die doppelte Rolle rückwärts: Kein Familiengeld, kein Krippengeld und jetzt auch nicht mehr die versprochenen 3000 Euro zum ersten Geburtstag. Und das mit 6 Wochen Vorlauf.
Es wurde zwar angekündigt, die Betriebskostenförderung für Kitas auf bis zu 80 Prozent zu erhöhen – eine langjährige Grüne Forderung. Allerdings steht nichts Konkretes im Änderungsantrag zum Gesetzentwurf und es bleibt unklar, wie und wann die Strukturverbesserungen umgesetzt werden.
Wir Grüne haben bei der Debatte im Plenum beantragt, die neue Wendung erst einmal in den Fachausschüssen zu diskutieren anstatt mit einem Änderungsantrag alles einfach vom Tisch zu wischen — von CSU und FW leider abgelehnt. Zusätzlich haben wir einen Änderungsantrag eingereicht, der eine Übergangsregelung ermöglicht — für alle Eltern, die schon fest mit dem Geld geplant hatten, deren Babys bis Mitte 2026 auf die Welt kommen. Und anschließend beantragten wir eine Dritte Lesung des nun völlig neuen Gesetzentwurfs. Denn es gab definitiv noch Gesprächsbedarf.
Den Link zur Debatte finden Sie unten.
„Die Familien werden im Stich gelassen und jetzt auch noch zur Kasse gebeten. Und da helfen auch die Prahlereien des Ministerpräsidenten bei seinen Pressekonferenzen nichts. Große Worte geben keine echte Sicherheit und Planbarkeit. Zuerst wird sich vollmundig damit gebrüstet, Eltern und Familien in Bayern besondere finanzielle und direkte Unterstützung zukommen zu lassen. Kurze Zeit später, nachdem der PR-Effekt so langsam verblasst, werden dann sämtliche Förderungen von heute auf morgen gestrichen. Dieses Hin und Her ist nicht nur familienunfreundlich, sondern schadet letztendlich auch der Wirtschaft. Denn junge Eltern ohne Betreuungsplatz werden weniger erwerbstätig sein. Und wer auf das Geld angewiesen war, wird jetzt anderweitige Unterstützung brauchen.“
Die Landtags-Grünenstellten einen Änderungsantrag im Plenum, dass alle Familien, deren Kinder bis zum 31. August 2026 geboren werden, die bisherige Unterstützung, das Familiengeld, weiterhin erhalten – gezielt für die, die sie wirklich brauchen. Die dadurch freiwerdenden Mittel sollen in den Ausbau und die Qualität der Kinderbetreuung fließen. Der Antrag im Wortlaut Kinderstartgeld, er wurde jedoch abgelehnt.
Mittlerweile formiert sich der Protest gegen die plötzliche Streichung der versprochenen Unterstützung. In verschiedenen Petitionen haben mehr als 100 000 Menschen bereits unterschrieben. Die Familien haben nicht nur die finanzielle Unterstützung verloren, sondern auch das Vertrauen in politische Versprechungen.
Weitere Informationen zur Landtagsdebatte finden Sie hier
Sitzungsablauf für die 63. Plenarsitzung
Gemeinsamer Aufruf der Geschäftsordnungsanträge
Dritte Lesung zum Gesetzentwurf der Staatsregierung




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